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Wenn in den Nachrichten über die USA gesprochen wird, geht es oft um deren gewaltige Staatsverschuldung. Doch jeder Schuldner braucht jemanden, der ihm Geld leiht. Und einer der grössten Gläubiger der USA ist ausgerechnet Japan🎌.
Japan besitzt amerikanische Staatsanleihen im Wert von über einer Billion Dollar und gehört damit seit Jahren zu den wichtigsten Geldgebern der Vereinigten Staaten. Diese Staatsanleihen – sogenannte US Treasuries – sind nichts anderes als Kredite an den amerikanischen Staat.
Doch genau hier beginnt eine Geschichte, die weit über Japan hinausgeht.
Über viele Jahre waren die Zinsen in Japan extrem tief. Teilweise konnte man sich Geld fast kostenlos leihen.
Jetzt stell dir vor, deine Bank würde dir einen Kredit zu praktisch null Prozent anbieten. Was würdest du damit tun?
Viele Investoren hatten dieselbe Idee. Sie liehen sich Yen. Dann tauschten sie diese gegen Dollar. Und investierten das Geld dort, wo höhere Renditen lockten.
Diese Strategie nennt sich Carry Trade. Der Name klingt kompliziert. Die Idee dahinter ist erstaunlich einfach: Man leiht Geld dort, wo es günstig ist, und investiert dort, wo es mehr Ertrag bringt.
Jahrelang funktionierte das hervorragend.
Solange das Meer ruhig ist, sieht jedes Schiff sicher aus. Die eigentliche Herausforderung beginnt erst, wenn ein Sturm aufzieht. Beim Carry Trade ist das nicht anders.
Steigt der Yen plötzlich stark oder erhöhen sich die Zinsen in Japan, lohnt sich dieses Geschäft weniger. Dann möchten viele Investoren gleichzeitig ihre Positionen schliessen.
Sie verkaufen Dollar ➡️ Dafür verkaufen sie amerikanische US-Dollar-Anlagen ➡️ Sie kaufen Yen zurück ➡️ Und plötzlich geraten Märkte unter Druck.
Hier wird es richtig spannend.
Wenn Japan den 💴Yen stützen möchte, benötigt es 💵Dollar.
Eine Möglichkeit wäre, amerikanische Staatsanleihen zu verkaufen. Doch genau das möchte Washington möglichst vermeiden. Warum?
Weil grosse Verkäufe den Markt für US-Staatsanleihen unter Druck setzen könnten. Sinkende Anleihekurse bedeuten steigende Zinsen. Und höhere Zinsen machen die Finanzierung der amerikanischen Staatsschulden teurer.
Deshalb unterstützen die USA aktuell Japan dabei, Dollar zu beschaffen, ohne dass Japan grosse Mengen an US-Treasuries verkaufen muss. Dafür rückt unter anderem die sogenannte FIMA-Repo-Fazilität in den Mittelpunkt.
Sie ermöglicht es ausländischen Zentralbanken, ihre US-Staatsanleihen als Sicherheit zu hinterlegen und dafür kurzfristig Dollar zu erhalten, anstatt die Anleihen am Markt verkaufen zu müssen.
Von aussen betrachtet wirkt das wie Hilfe für Japan. In Wirklichkeit schützt Amerika damit auch den wichtigsten Anleihenmarkt der Welt. Und sich selbst.
Viele glauben, der Dollar sei die wichtigste Währung der Welt, weil die USA die grösste Wirtschaft besitzen.
Das stimmt. Aber es ist nicht der wichtigste Grund. Der eigentliche Grund heisst Vertrauen.
Je mehr Menschen den Dollar nutzen, desto wertvoller wird dieses Netzwerk. Fast wie bei einem sozialen Netzwerk. Es ist nicht deshalb wertvoll, weil es perfekt ist. Sondern weil bereits fast alle dort sind.
Genau deshalb beobachten Investoren den Markt für amerikanische Staatsanleihen mit Argusaugen. Er ist das Fundament, auf dem ein grosser Teil unseres heutigen Finanzsystems gebaut wurde.
Die spannendsten Entwicklungen an den Finanzmärkten beginnen selten dort, wo alle hinschauen.
Nicht jede Krise beginnt mit einem Börsencrash. Manche beginnen mit einer Währung. Mit einem Zinsschritt. Oder mit einer Strategie, deren Namen die meisten Menschen noch nie gehört haben.
Der Yen Carry Trade erinnert uns an eine wichtige Lektion: Je grösser ein System wird, desto wichtiger wird Vertrauen. Und desto grösser können die Folgen sein, wenn dieses Vertrauen plötzlich ins Wanken gerät.
Falls ja, freue ich mich riesig, wenn du Finanz-Insights an Freunde, Familie oder Arbeitskollegen weiterleitest und empfiehlst.
Denn finanzielle Bildung wird immer wertvoller 😊
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Ich wünsche dir einen wunderschönen Tag und viel Freude beim Investieren!
Herzlichst
deine Evelyne 😊
Hier kommt der Teil, den viele Medien nur am Rand erwähnen.
Stell dir vor, du besitzt ein Haus im Wert von einer Million Franken. Du benötigst kurzfristig 100’000 Franken.
Du hast zwei Möglichkeiten.
Variante 1: Du verkaufst dein Haus.
Variante 2: Du hinterlegst das Haus als Sicherheit bei der Bank und erhältst einen Kredit.
Die meisten würden sich für die zweite Variante entscheiden. Genau das passiert derzeit sinngemäss mit Japan.
Anstatt amerikanische Staatsanleihen am Markt zu verkaufen, kann Japan diese bei der US-Notenbank als Sicherheit hinterlegen und dafür Dollar erhalten.
Über die sogenannte FIMA-Repo-Fazilität bleiben die Anleihen im Besitz Japans, während gleichzeitig Dollar für Interventionen am Devisenmarkt zur Verfügung stehen.
Das reduziert den Verkaufsdruck auf den Treasury-Markt.
Viele Anleger halten US-Treasuries für eine langweilige Anlage. Für professionelle Investoren sind sie etwas völlig anderes. Sie sind die Sicherheiten der Weltwirtschaft.
Banken hinterlegen sie für Kredite. Versicherungen halten sie als Reserve. Investmentfonds nutzen sie als Sicherheit. Zentralbanken lagern einen Teil ihrer Währungsreserven darin.
Mit anderen Worten: US-Treasuries sind das Fundament unzähliger Finanzgeschäfte.
Manchmal entsteht Nachfrage nicht nur, weil etwas attraktiv ist – sondern weil das System es attraktiv macht.
Hochklassige Staatsanleihen können bei Banken regulatorisch ein Risikogewicht von 0 % erhalten.
Vereinfacht gesagt müssen Banken dafür bei der Berechnung ihrer risikogewichteten Eigenkapitalanforderungen kein zusätzliches Eigenkapital für das Kreditrisiko hinterlegen.
Unter bestimmten Voraussetzungen gilt das auch für US-Treasuries bei europäischen Banken.
Das bedeutet keineswegs, dass diese Anleihen tatsächlich risikolos sind, denn steigende Zinsen können beispielsweise zu erheblichen Kursverlusten führen.
Die Dominanz des Dollars beruht deshalb nicht nur auf Vertrauen. Sie wird von einem ganzen Finanzsystem gestützt, das immer wieder neue Nachfrage nach Dollar schafft.
Viele glauben, Amerikas grösster Vorteil sei seine Wirtschaft. Oder das 💻Silicon Valley. Oder das 💣Militär.
Makroinvestoren sehen oft etwas anderes. Sie sehen den 💵Dollar. Denn solange der Dollar die Leitwährung bleibt, möchten Staaten, Unternehmen und Zentralbanken Dollar halten. Und wenn sie Dollar halten, kaufen viele davon auch amerikanische Staatsanleihen.
Das bedeutet: Die USA finden fast immer Käufer für ihre Schulden. Dieses Privileg besitzt kaum ein anderes Land.
Deshalb geht es bei den aktuellen Entwicklungen nicht nur um Japan. Es geht um das Vertrauen in das System, das den Dollar seit Jahrzehnten zur wichtigsten 🏦Währung der Welt macht.

eidg. dipl. Finanz- & Anlageexpertin, CIWM
Autorin und Inhaberin der EC Finanzberatung in Interlaken. Unabhängig. Persönlich. Auf Augenhöhe.
Hinweis: Dieser Beitrag dient ausschliesslich Informations- und Bildungszwecken. Er stellt keine Anlageberatung, Kauf- oder Verkaufsempfehlung dar. Vergangene Entwicklungen an den Finanzmärkten sind keine Garantie für zukünftige Ergebnisse. Bevor du Investitionsentscheidungen triffst, solltest du dich bei Bedarf an eine qualifizierte Finanzfachperson wenden.
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